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Essay von Ulrich Wegenast
Nun sind wir also doch dem Digitalen Schein erlegen! Die Master der Buzzwords und Gewinnprognosen hatten der digitalen Kultur beinahe den Garaus gemacht und nun hat sies selbst erwischt: From Dotcom to Deadcom. Na ja, so einfach isses ja auch wieder nich, schallt es von meiner Festplatte. War die New Economy nicht ein einziges utopisches Projekt? Sollte nicht die ganze Finanz- und Wirtschaftswelt revolutioniert werden? In einer Welt, wo Hackerethik und Geschäftstrategien zusammenfallen, wer kann da noch von Frontstellungen reden, wie sie in den 80er Jahren mit manichäischem Dualismus ausgefochten wurden. Politisch korrekte Hausbesetzer wurden Finanzvorstände von börsennotierten Medienunternehmen und der 1989er Leitspruch Wir sind das Volk wandelte sich zu Wir sind der Fonds (Zitat SZ). Die ganze Filesharing-Gemeinde sah die Blase und nun reibt sie sich die Äuglein und schreibt Abgesänge wie diesen mit dem Bewusstsein, dass es ohnehin weitergeht. Ein Businessplan jagte den anderen, aber was auf der Strecke blieb, war der Inhalt content is king, oder wie hieß der tolle Slogan? Hier ein Webshop, dort eine Virtual Community alles war irgendwie portal! Und ich eine Plattform! Wir luden uns am digitalen Lagerfeuer die Datensätze hoch und runter, egal, was das für Ladungen waren. Die Kulturpessimisten dachten bei Inhalt immer noch an die Enzyclopedia Britannica und die Generation 01 an Medien, Datenkomprimierung, Breitbandnetzwerke, Redaktionssysteme und Lingubots. Alle redeten um den digitalen Brei.
Zu diesem Zeitpunkt kamen die Filmpeople auf den Plan und sagten: Wir sind diejenigen, die die Geschichten erzählen, die die Herzen der Menschen berühren. Eigentlich mochten sie diesen ganzen interaktiven Quatsch nicht. Aber Nonlinearität und hypertext-basierte Referenzialität hörte sich recht schick an und eine zeitlang waren auch jede Menge Investoren bereit, dafür Geld hinzublättern. Problematisch, denn niemand kaufte sich diese Produkte. Beispiel CD-Roms: jetzt, wo das Medium für tot erklärt wurde, kommen die spannenden Sachen und dann vor allem aus Australien! Leider zu spät, weil der Medienbetrieb als Durchlauferhitzer keine Zeit für Denkpausen gestatten kann, Inhalte aber nur aus kultivierter Langweile erwachsen. Aber was ist jetzt mit den Marktchancen von Digital Content? Die Realität heißt Computerspiele. Und was ist mit den Kriterien für den guten und wahrhaftigen Digital Content? Die Ars Electronica schon
immer Vorreiter in digitalen Fragestellungen hat sich bei der Entwicklung von Kriterien guter Websites einen Trick einfallen lassen und das Wort Webness kreiert! Ich schlage zur Feststellung der richtigen digitalen Inhalte den Begriff contentdriven Digitalism vor. Sind Sie damit einverstanden?
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