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von Constantin Schnell
Ludwigsburg sei ein besonderer Ort für die deutsch-französischen Beziehungen, bemerkte Staatsminister Dr. Christoph-E. Palmer: Hier entstand die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft. Ein passender Ort also, im September 2001 die Masterclass der deutsch-französischen Filmakademie zu eröffnen. Bundeskanzler Schröder und der französische Staatspräsident Jacques Chirac entwickelten Ende 1999 die generelle Idee einer Deutsch-Französische Filmakademie. Allerdings: Die Franzosen verstanden unter Akademie eine Versammlung weiser Herrschaften, ähnlich der Academie Française, die Deutschen eher eine Ausbildungsinstitution. Dass gut eineinhalb Jahre nach der Geburtsidee die praktische Umsetzung in Form der Masterclass in Ludwigsburg eingerichtet werden konnte, ist vor allem dem Einsatz von Christoph-E. Palmer zu verdanken, der eine hälftige Mitfinanzierung des Landes Baden-Württemberg sicherstellte.
Mit der Masterclass gibt es zum ersten Mal in Europa einen Film-Ausbildungsgang, der von zwei Hochschulen gemeinsam erstellt wird. Die Pilotphase ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Im ersten Jahrgang sind es acht deutsche und vier französische Studenten, die das einjährige Postgraduierten-Studium absolvieren. Drei Mal drei Wochen verbringen die Studenten in Paris an der Filmhochschule La FEMIS, den Rest des Studienjahres an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Jede Veranstaltung wird gemeinsam von je einem deutschen und einem französischen Dozenten betreut. Neben den theoretischen Unterrichtsblöcken stehen Exkursionen zu Festivals, Sendern und Filmproduktionen auf dem Programm. Darüber hinaus werden die Studenten auf Einladung von ARTE zwölf Kurzfilme über die nächste Kasseler Documenta produzieren. Mit einem Abschlussprojekt endet die Masterclass.
Die Ausbildung ist nicht mit der an einer Filmhochschule vergleichbar; sie ist wesentlich umfassender angelegt. In den Bereichen Finanzierung, Marketing, Vertrieb und Festivals sei eine intensive Kenntnis des Partnerlandes weit notwendiger als auf dem Regiestuhl, erkannte Jan Schütte (Drachenfutter, Fette Welt). Schütte leitet zusammen mit Peter Sehr (Das serbische Mädchen, Kasper Hauser) und Pascal Bonitzer (u. a. Autor von Jacques Rivette-Filmen) den neuen Ausbildungsgang. Peter Sehr betont, dass die Masterclass gerade auch für Leute geeignet ist, die aus anderen Branchen kommen, z. B. Bankfachleute oder Juristen. Im Moment läuft die Bewerbungsphase für den zweiten Jahrgang (Bewerbungsfrist bis Mai 2002).
Die Masterclass will über den Kreis der Studenten hinaus wirken. Ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans sind deshalb die öffentlichen Symposien in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg. Im Oktober 2001 fand unter dem Titel Fremde Freunde? das erste davon in Ludwigsburg statt.
Die Themen des viertägigen Seminars zogen sich durch Geschichte, Wirtschaft, Jugend und Politik. Mit zeitweise bis zu 50 Zuhörern war das Publikumsinteresse groß, was bei der geballten Kompetenz der insgesamt zehn Vortragenden nicht verwunderte. Höhepunkt der Veranstaltung war der kurzfristig zugesagte Auftritt von Erfolgsregisseur Jean-Jacques Annaud (Der Name der Rose, Der Bär, Duell Enemy at the Gates). Wie kaum ein anderer steht Annaud mit seinem Werk und seinen Produktionsorten für den europäischen Film. Annaud ist der Meinung, dass es den europäischen Film auf der finanziellen Ebene, auf der Ebene der Koproduktionen bereits gibt. Nur an der Kinokasse eben nicht. Denn: Für europaweite Erfolge fehlen schlicht die gemeinsamen Stars. Hollywood-Stars hingegen seien weltweit bekannt. Die Masterclass kann mit ihrer Ausbildung möglicherweise auch in dieser Hinsicht Grenzüberschreitendes leisten.
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