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Nummer 1 / 2003

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MEHR ALS EIN KINDERFILM
EIN MAULWURF AUF DEM WEG NACH OBEN

 
 

 

MEHR ALS EIN KINDERFILM

Interview mit Dirk Kummer (DK), Preisträger des Baden-württembergischen Drehbuchpreises 2003 

FF: Haben Sie mit der Prämierung Ihres Spielfilm-Drehbuchs „Der Maulwurf“ gerechnet, nachdem Sie bereits für das Treatment das Autorenstipendium der Drehbuchwerkstatt Nürnberg gewonnen hatten?

DK: Die Arbeit am „Maulwurf“ begann vor fast zwei Jahren. Seitdem hat das Buch in jeder Phase seiner Entstehung polarisiert: Das Treatment wurde von einer Institution abgelehnt, dann von der Drehbuchwerkstatt gefördert, das fertige Drehbuch von manchen Produzenten oder Sendern postwendend an mich zurückgeschickt und von anderen Redakteuren wieder hoch gelobt. Ich habe also nicht wirklich damit gerechnet, unter die letzten zehn zu kommen, aber als die Nominierung bekannt gegeben wurde, wollte ich auch gewinnen. Die Entscheidung der Jury für mein Buch hat mich natürlich sehr stolz gemacht, insbesondere weil ich während des Schreibens Phasen hatte, in denen ich Anerkennung brauchte, sie aber von niemandem bekommen konnte. Die Preisverleihung hat mich diese einsamen Momente fast vergessen lassen. 

FF: Zwei Jungen aus Ostdeutschland, die davon träumen, gemeinsam nach Australien zu gehen, durch einen tragischen Vorfall aber für immer getrennt werden. Was war der Anlass, diese Geschichte zu schreiben und wen möchten Sie damit ansprechen?

DK: Im Jahr 1978, in dem die Geschichte spielt, war ich zwölf Jahre alt und wuchs in der Nähe der Mauer in einem kleinen Ort bei Ost-Berlin auf. Am Anfang gab es nur die Bilder einer Familie, eines Hauses, einer Freundschaft. Ich hatte das Gefühl, diesen Erinnerungen nachgehen zu müssen, ohne zu wissen, wo die Reise hinführt. Nach einem Vierteljahr gab es plötzlich Figuren und Handlungen, die ich persönlich nicht so erlebt hatte, bei denen ich aber den Drang verspürte, darüber zu schreiben. Und fortan wurde ich auf unbestimmte Weise geführt. Auch der Kern der Geschichte, der Verlust von Jonas Freund, war nicht geplant, aber ich konnte es nicht mehr beeinflussen. Insgesamt geht es für mich um einen Teil deutscher Geschichte und die Frage nach Schuld und Unschuld, aus der Sicht eines Kindes erzählt. Es ist für mich kein reiner Kinderfilm. Bisherige Reaktionen lassen mich hoffen, dass die Geschichte in beiden ehemaligen Hälften Deutschlands verstanden wird. 

FF: Über darstellende Kunst, Regie-Assistenz und Regie in eigenen Filmen sind Sie zum Drehbuchschreiben gekommen. Welchem Berufsfeld möchten Sie sich in Zukunft widmen?

DK: Angefangen habe ich 1988 als Regie-Assistent bei Heiner Carow. Bis zu meinem ersten eigenen Kurzfilm 2000 war es ein langer Weg. Mittlerweile bin ich Schauspieler, Regie-Assistent, Autor und Regisseur. Manchmal denke ich, ich müsste mich mal entscheiden. Andererseits helfen mir die verschiedenen Erfahrungen bei der täglichen Arbeit am Film. Für den SWR drehe ich ab April mein Regie-Debüt eines 90-Minüters: „Geschlecht: weiblich“. Die Dreharbeiten werden nicht einfach werden und da wünsche ich mich manchmal an meinen Schreibtisch zurück, vor das leer Blatt Papier, allein mit der Geschichte und dem Schreiben.

FF: Sie kommen gebürtig aus Ost-Berlin. Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Wohnsitz nach Baden-Baden zu verlegen?

DK: Ich habe in der DEFA, in der ich als Regie-Assistent angefangen habe, gelernt, dass man nicht jedem vertrauen kann, jedoch eine Herausforderung annehmen soll, wenn man jemanden getroffen hat, mit dem eine künstlerische Auseinandersetzung Spaß macht. Diese Kollegen habe ich in Baden-Württemberg gefunden und sie sind Teil meiner Arbeit geworden. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.

FF: Wie wird Ihr nächstes Projekt aussehen?

DK: Ideen für neue Geschichten gibt es viel zu viele. Die eigentliche Arbeit besteht darin auszuwählen und sich zu entscheiden. Bis zum Ende des Sommers wird mich mein erster Spielfilm voll auslasten. 

Das Interview führte 
Carola Berneiser (FF)

Dirk Kummer bei der Preisverleihung in Berlin
© Michael Holzinger

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EIN MAULWURF AUF DEM WEG NACH OBEN

In Anwesenheit von 150 geladenen Gästen überreichte Minister Rudolf Köberle, MdL, dem in Baden-Baden lebenden Autor Dirk Kummer den mit 25.000 Euro dotierten Baden-Württem-bergischen Drehbuchpreis. Zum fünften Mal wurde dieser Preis im Rahmen der Berlinale vergeben. In guter Tradition las im Restaurant Cassambalis in Berlin der Schauspieler Hanns Zischler anschließend einige Szenen aus dem prämierten Drehbuch „Der Maulwurf“ vor. Der Stoff erzählt von der Freundschaft zweier Jungen in der DDR, die einen Tunnel nach Australien graben wollen. Der Film soll in Zusammenarbeit mit dem SWR und der Gambit Film- und Fernsehproduktion Ludwigsburg realisiert werden. Die Juroren Frank Göhre (Juryvorsitz), Christa Hein, Maria Köpf und Roland Suso Richter sprachen zusätzlich eine zweite Nominierung für „Der Ameisenfeind“ von Stephan Valentin und Martin Rosefeldt aus. 
Im Anschluss an die Preisverleihung sahen die Gäste Szenen aus Annette Ernsts Film „Kiss and Run“, für den Maggie Peren 2000 den Drehbuchpreis erhielt und der in diesem Jahr im Programm der Berlinale zu sehen war. MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer freute sich neben der Vergabe des Drehbuchpreises auch über die starke Präsenz der MFG geförderten Filme bei der Berlinale - neben „Kiss and Run“ waren 11 weitere Produktionen in den unterschiedlichen Sektionen der Filmfestspiele zu sehen.

Die Mitwirkenden des Baden-Württembergischen Drehbuchpreises

 
Katja Riemann und Stephan Valentin (nominiert für „Der Ameisenfeind“) mit Stefan Paul (Arsenal Filmverleih)
 

Elke Ried (Ziegler Film Köln), Produzentin des beim Kinderfestival laufenden Films „Der 10. Sommer des Kalli Spielplatz“ mit Gabriele Röthemeyer (MFG)

 

Anne Marburger (MFG) mit dem Team von „Goff in der Wüste“: Frieder Schlaich (Produzent) und Heinz Emigholz (Regie)

 

Schauspieler Hanns Zischler las Passagen aus dem preisgekrönten Buch

 
Produzent Giulio Ricciarelli (Naked Eye Filmproduktion) mit Martin Rosefeldt (nominiert für „Der Ameisenfeind“)
 

Didi Danquart und Martina Döcker („Bernau liegt am Meer“) kennen sich seit der Zusammenarbeit an „Viehjud Levi“.
 

Ulrich del Mestre (VDD), Gaby Röthemeyer und Peter Rommel, der mit „Sie haben Knut“ die Reihe „Perspektive Neues Deutsches Kino“ eröffnete.

© Alle Fotos: Michael Holzinger

© Filmbüro Baden-Württemberg · Gestaltung: Andreas Staiger