Filmbüro

Filmfacts

Nummer 2 / 2001

Produktionsberichte

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PRODUKTIONSBERICHTE

ES STEHT EIN HAUS IM KOSOVOr

von Steffi Pusch

Seit die Bundeswehr 1994 ihren ersten aktiven Auslandseinsatz nach dem II. Weltkrieg im bürgerkriegsgeschüttelten Somalia hatte, muss der traditionsreiche Zweig der Truppenbetreuung deutscher Soldaten und deren Unterhaltung im Einsatz wieder neu aufgebaut werden. Dass das nur schrittweise geht und von der Bundeswehr mit einer gewissen Scheu verhandelt wird, erfuhren die Dokumentarfilmregisseure Ulrike Franke und Michael Loeken auf ihren ersten Recherchereisen 1999. Nach langwierigen Verhandlungen mir dem Heeresführungskommando konnten die Dreharbeiten zu ihrem Film “Truppenbetreuung” Ende 2000 beginnen. 

Weihnachten im deutschen Camp der KFOR in Prizren. Emotional eine extrem brüchige Zeit für die Soldaten. Gerade da ist Truppenbetreuung am stärksten gefragt. Die Angebote reichen von der Sozialstation zum Internetcafé, vom Kleinwarenladen über den Truppenpfarrer, die Fitnesshalle bis zur “Milleniumsbar”. Mit Großevents hält sich die Bundeswehr bisher zurück. Die angedachte Karnevalssitzung fiel der Diskussion um die Uran-Munition zum Opfer und deutsche Künstler ohne Honorar in diese Region zu bekommen, ist offenbar schwierig. So spielte die campeigene Band “RocKFORce” auf, der Soldatensender Radio Andernach übermittelte Grüße aus der Heimat während sich die “Milleniumsbar” großer Beliebtheit erfreute.

Ein Pressesprecher begleitete die Filmcrew auf Schritt und Tritt, vermittelte Gesprächspartner, bestimmte Drehorte und -zeiten. Zudem galt das Tragen von 17 kg kugelsicherer Weste und Stahlhelm als obligatorisch. Derart bepackt und beladen mit der Super16-mm-Kameraausrüstung gerieten die Drehausflüge im Bundeswehrjeep zur Kraftprobe. Nach 10 Tagen im deutschen Sektor konnte der Dreh im amerikanischen “Camp Bondsteel” fortgeführt werden. Die US-Army ist stolz auf den hohen Stellenwert und die Qualität ihrer Truppenbetreuung, die hier im großen Stil mit Stars und Sternchen aus Hollywood von professionellen Organisationen betrieben wird. Auch im britischen und italienischen Sektor, wo die Arbeit im traditionellen Truppensender BFBS oder die Radiosendung “Bon giorno Kosovo” gefilmt wurden, standen dem Team alle Türen offen.

Ulrike Franke und Michael Loeken mit kugelsicheren Westen

Die zweite Drehphase startete im März 2001. Die Bemühung des Betreuungsoffiziers in Prizren trug Früchte: Schlageroldie Gunter Gabriel gibt ein Konzert vor den deutschen Soldaten im Kosovo. Doch just an diesem Tag drohte der neu aufkeimende Mazedonienkonflikt zu eskalieren. Konzert und Dreh mussten verschoben werden. Filmteam wie Soldaten wurde dabei deutlich bewusst, dass der Krieg hier noch empfindlich nahe war.

Im April 2001 fand Gunter Gabriels Konzert tatsächlich statt. Das Team begleitete ihn auf seiner Tour durch kleine Camps in den Bergen, wo der Sänger mit seinem Soldatenhit enthusiastisch gefeiert wurde. Zur Melodie von “House of the rising sun” stimmten die Konzertbesucher begeistert in den Refrain ein: “Es steht ein Haus im Kosovo, dass ist zerbombt und leer, doch unsere Jungs aus good old Germany, die stell’n das Haus wieder her.” Die Soldaten wünschen sich öfter Stars, die ihnen mentalen Rückhalt aus Deutschland geben und sie ein wenig träumen lassen. Gunter Gabriel, jedenfalls, kommt wieder.

Alt-Rocker Gunter Gabriel

 
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