Filmbüro

Filmfacts

Nummer 2/ 2002

Produktionsberichte

Was lange währt - Kraftakt für "Veru"

Sie haben Knut - oder das warten auf Schnee

Fassbinder-Crew dreht in Heidelberg

Jo Baier verfilmt die Schwabenkinder

Wie Hund und Katz

Die Magie des ersten Films

 

PRODUKTIONSBERICHTE

Sie haben Knut - Oder das warten

von Jutta Frech

Winter 1982/83: Auf einer einsamen Berghütte will Ingo einen Neuanfang seiner Beziehung mit Nadja wagen. Doch eine befreundete Volleyball-Mannschaft fällt unangekündigt „auf Ferien“ in der Hütte ein und durchkreuzt jäh seine Pläne…

Das Kino-Debüt „Sie haben Knut“ des Filmakademie-Absolventen Stefan Krohmer, dessen erster abendfüllender Fernsehfilm „Ende der Saison“ gerade mit vier Grimme-Preisen ausgezeichnet wurde, trägt autobiografische Züge. Das Drehbuch um diesen Ensemble-Film mit dem Kern einer tragikomischen Liebesgeschichte verfasste der befreundete Autor und Animationsfilmer Daniel Nocke. Für die Bildgestaltung zeichnet sich der vierfache deutsche Kamerapreisträger Benedict Neuenfels verantwortlich, mit dem Produzent Peter Rommel bereits bei „Lost Killers“ (1999) zusammen gearbeitet hatte. Damals führte Krohmer unter dem georgischen Regisseur Dito Tsintsadze die Dialogregie.

Neuenfels und Krohmer
Foto: Darius Ramazani © Home Run Pictures

Innerhalb von nur vier Monaten war die Buchentwicklung bis hin zur Projektfinanzierung abgeschlossen. Daher wollte Peter Rommel mit seiner Stuttgarter Filmproduktion Home Run Pictures bereits im Februar 2002 in der Tiroler Bergwelt mit den Dreharbeiten zu beginnen. Das geeignete Drehmotiv dazu, eine 300 Jahre alte, abgelegene Bauernhütte samt Skiliften und Pisten in nächster Umgebung, fand der Location-Scout Leo Baumgartner („Sieben Jahre Tibet“) in der Wildschönau nahe Kufstein. Der Ausstatter Thilo Mengler („Lost Killers“) und die Kostümbildnerin Silke Sommer („Königskinder“) hatten im Vorfeld alle Hände voll zu tun, um die Locations und Props in einen 80er-Jahre-Look zu verwandeln. Große Unterstützung erhielten sie durch die Bevölkerung des Wildschönauer Tales, sowie dem lokalen Kulturreferat, der Tourismusbehörde und den Liftbetreibern. Denn die Dreharbeiten im Schnee stellten sich als große logistische Herausforderung für das aus Stuttgartern und Berlinern bestehende 45-köpfige Team dar. Nachdem Kälte und Glatteis die ersten Drehwochen im Februar dominierten, erschwerte der mildeste März sein 100 Jahren die Filmherstellung, in dem das wertvolle Weiß dahinschmolz. Kurz vor Ostern hatte sich das Warten auf Schnee doch noch gelohnt, so dass der Spielfilm Anfang April fertiggestellt werden konnten.

Einen maßgeblichen Teil dazu trugen die Schauspieler bei und deren Zusammenhalt während der 31 Drehtage. Regisseur Krohmer fand für seine 14 Rollen überwiegend theatererfahrene Schauspieler wie zum Beispiel Valerie Koch, die ab der Sommerspielzeit am Stuttgarter Schauspielhaus verpflichtet wird.

Als Partner und Koproduzenten für die Kino-Koproduktion sind das ZDF – Kleines Fernsehspiel, arte und die Wiener Allegro Film mit im Boot. Die MFG-Filmförderung Baden-Württemberg und das Österreichische Filminstitut (ÖFI) unterstützten den mit nur 900.000,- € kalkulierten Low-Budget-Film, der ein hohes Production Value aufweist. Die deutsch-österreichische Gemeinschaftsproduktion ist die zweite Zusammenarbeit zwischen der Home Run Pictures und der Allegro Film nach dem erfolgreichen Film „Drei Herren“ (1998).

Bis Mai wird „Sie haben Knut“ von Stephan Krumbiegel geschnitten. Die Uraufführung ist für Locarno oder Venedig geplant. Danach soll der Film in die deutschen und österreichischen Kinos kommen. Ein Special-Screening wird es für die Bürger der Region Wildschönau aber in jedem Fall als kleines Dankeschön im Spätsommer 2002 geben.

Gabriele Röthemeyer am Set in Tirol, daneben Regisseur Stefan Krohmer, Darstellerin Valerie Koch und Produzent Peter Rommel.
Foto: Darius Ramazani © Home Run Pictures

 
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