Filmbüro

Filmfacts

Nummer 2 / 2003

Produktionsberichte

Der Verlorene Sohn

Geschlecht: Weiblich

Teddys Safari

Delikatessen und...

Drehen in der Region

 

PRODUKTIONSBERICHTE

DIE SEHNSUCHT NACH VERÄNDERUNG

von Carola Berneiser

Das Spielfilmdebüt von Dirk Kummer mischt skurrile Szenen mit ernsthaften Untertönen zu einer Tragikomödie mit lebensnaher Komik. 

Der Film „Geschlecht: weiblich“ erzählt die Geschichte von Dina (Ulrike Krumbiegel), die mit 40 Jahren erkennt, dass es ihr Leben nicht immer nur gut mit ihr meint. Den pubertären Attacken ihrer 14-jährigen Tochter Rita (Alice Dwyer) weicht sie aus, sucht beruflich wie privat nach der Erfüllung. Doch ihr Traum von einer Beziehung mit einem Mann ist wie eine leere Hülse und die Gegenwärtigkeit ihres tristen Daseins kaschiert sie mit Lügen. Nach intensiver Suche nach dem Richtigen, die sie mit ganzer Kraft und mittels Eheanbahnungsinstitut und Zeitungsinseraten betreibt, stößt sie auf Mika (Matthias Köberlin). Als auch noch ein beruflicher Erfolg gelingt, scheint ihr Glück perfekt. Da erreicht sie die lebensbedrohliche Diagnose Brustkrebs und sie beschließt, alleine die Krankheit zu bekämpfen. Fast zu spät vertraut sie sich ihren Freundinnen an. Auch Bea (Inga Busch), Roberta (Adriana Altaras) und Gretchen (Sabine Orléans), alle Mitte dreißig, sind auf der Suche nach ein wenig Boden unter den Füßen und kämpfen um Verwirklichung ihrer Sehnsüchte und die Erfüllung ihrer Lebenswünsche. Und immer wieder hadern die Vier mit der Stadt, in der sie leben: Baden-Baden. 
Der emotionale Film erzählt vom Leben, von Lügen, von Liebe und dem ewigen Versuch, dem Leben das Wohlverdiente abzuringen. Doch es zeigt sich, dass daraus schnell ein K(r)ampf werden kann. Erst durch die Krankheit erfährt die Geschichte eine Wendung und die auf komödiantisch-witzige Weise erzählten Beziehungsverflechtungen und die ganz eigene Weltanschauung der vier Frauen münden in einen Überlebenskampf. 

Zehn Jahre lang hat Regisseur Dirk Kummer auf die Realisierung seines ersten Spielfilmdebüts gewartet. Im Osten aufgewachsen und nach Schauspielausbildung und langjähriger Regieassistenz für u.a. Heiner Carows „Coming Out“, ist er jetzt als Regisseur und Autor tätig. Auf der Berlinale 2003 wurde ihm für sein Drehbuch „Der Maulwurf“ der Baden-Württembergische Drehbuchpreis verliehen. Das Buch zu „Geschlecht: Weiblich“ von Katrin Laur und das Wechselbad von tragischen und komischen Momenten war für Kummer der filmische Stoff, aus dem er sein Debüt machen wollte. Nach längerer Starthilfe landete das Buch im Jahr 2002 auf dem Tisch des SWR. Innerhalb von drei Monaten wurde das Drehbuch überarbeitet, mit der Gambit Film- und Fernsehproduktion Ludwigsburg ein Team zusammengestellt, die Schauspieler gecastet und der Drehtermin festgelegt. Dank finanzieller Unterstützung, auch durch die MFG, die dieses Projekt innerhalb des neuen Nachwuchsförderabkommens „Fifty Fifty“ förderte, feierte die Crew schließlich am 10. Mai 2003 den erfolgreichen Abschluss ihrer Dreharbeiten. 

Für Dirk Kummer war dies das bisher schönste Fest seines Lebens: Noch um 7 Uhr morgens war ein Drittel des Teams noch immer nicht müde und der tränenreiche Abschied fiel schwer. „Ich glaube, wir haben einen ehrlichen, spannenden und menschlichen Frauen-Film gedreht“, so Dirk Kummer. „Ich habe Hochachtung vor Frauen, die so wie Dina ihr Leben meistern. Trotz tragischer Momente ist die Botschaft des Filmes doch klar und einfach: Egal wie schrecklich die Situation ist, in der man sich momentan befindet, letztendlich kommt es nur darauf an, einfach weiterzumachen“. 

 
© Filmbüro Baden-Württemberg · Gestaltung: Andreas Staiger