Filmbüro

Filmfacts

Nummer 3/ 2002

Produktionsberichte

Die Frau auf dem Baum

Karl Korbes

Die Blutritter von Weingarten

Triff deinen Star

Nachts, wenn der Tag beginnt

Ein Schiff wird kommen

 

PRODUKTIONSBERICHTE

Die Frau auf dem Baum

 

© (s. Impressum)

 

© (s. Impressum)

 
Helen Behringer tut es! Noch fünf Minuten vorher wäre sie niemals auf diesen Gedanken gekommen, fünf Minuten später hätte sie die Idee sicher verworfen. Aber genau in diesem Moment tut sie es. Sie hält kurz inne, für einen Augenblick steht die Zeit still, dann ergreift sie die Strickleiter und steigt hinauf: in das Baumhaus ihres Sohnes.

Als uns in der SAT.1-Redaktion das Treatment der Autorin Nani Mahlo angeboten wurde, waren wir sofort fasziniert. Vor uns lag ein visueller Stoff, mit klarem Konflikt, einem deutlichen emotionalen Mittelpunkt und einer wunderbaren Hauptfigur. Beim Redakteur verursacht diese Art von Stoffen ein Kribbeln. Am liebsten möchte man den Film so schnell wie möglich fertig stellen. Doch die Buchentwicklung hat dann eineinhalb Jahre in Anspruch genommen, bevor die Gyula Trebitsch Fernsehproduktion in und um Stuttgart die Komödie drehen konnte.
Helen Behringer ist "Die Frau auf dem Baum". Von ihrer Familie ignoriert, zur Familien-Maschine mutiert, aber stets verlässlich funktionierend. Als Helens 40. Geburtstag weder von Ihrem Mann Karl noch von den beiden Kindern wahrgenommen wird, hat sie die Nase voll: Helen geht auf den Baum und beschließt, von nun an dort zu wohnen. Der Blick vom Baumhaus hinab auf das Haus ihrer Familie, auf die Häuser ihrer Siedlung, schließlich auch auf ihr eigenes Leben, ist ein neuer Blick aus einer neuen Perspektive. Helen ist aufgewacht. Solange sich ihr Mann Karl und die Kinder gegen diese neue Lebenssicht wehren, bleibt sie auf dem Baum. Helens Entscheidung wird zum Gesprächsstoff der ganzen Siedlung. Die Nachbarsfrauen revoltieren plötzlich gegen ihre Männer und treffen sich unter Helens Baum. Und langsam wird klar, dass Helens Entscheidung nicht nur ihr eigenes Leben verändern wird...

Als Regisseur konnten wir Dror Zahavi verpflichten, der den Stoff stilsicher auf dem gefährlich schmalen Grad zwischen Komödie und Drama steuerte. Zahavi brachte den Kameramann Martin Kukula und den Cutter Fritz Busse mit in sein Team. Eine glückliche Hand hatten wir auch in der Besetzung mit Saskia Vester und Florian Martens. Neben diesen "Profis" ist in der Jugendrolle Tanja Maier zu sehen, die über 50 Folgen lang in der ARD-Serie "fabrixx" spielte.

Bei der Suche nach der Hauptlocation - einer Straße mit Einfamilienhäusern mit einem gegenüberliegenden Baum in der Wiese - und der Besetzung des Drehteams mit regionalen Kräften haben Produktionsleiter Jürgen Schott und Szenenbildnerin Stefanie Ernst eng mit der Film Commission Region Stuttgart zusammengearbeitet. Von Birgit Hettich (Agentur Watch Out), wurden auch Motive in Karlsruhe, im Allgäu und in Freiburg gescoutet, doch am Ende fiel die Wahl auf eine Wohnsiedlung in Leinfelden-Echterdingen. Einige Hausbewohner im Gustav-Mahler-Weg mussten vorübergehend ins Hotel zie-hen. Den Anwohnern wurde einiges abverlangt. Etwa drei Wochen wurde in der Siedlung gedreht. Die Umgebung Leinfeldens war aber nicht der einzige Grund, dass SAT.1 hier drehte. Finanzielle Mittel des Landes Baden-Württemberg haben die Entscheidung erleichtert. Baden-Württemberg hat mit SAT.1 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, mit dem "Die Frau auf dem Baum" als erster von einer Reihe weiterer Filme eine Finanzspritze erhält. Beide Seiten sehen die Kooperation auch als Musterbeispiel für eine konstruktive Film-Wirtschaftsförderung, bei der auch baden-württembergische Filmschaffende zum Zuge kommen.

(Jochen Ketschau)

 
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