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Helen Behringer tut es! Noch fünf Minuten vorher wäre
sie niemals auf diesen Gedanken gekommen, fünf Minuten später
hätte sie die Idee sicher verworfen. Aber genau in diesem
Moment tut sie es. Sie hält kurz inne, für einen Augenblick
steht die Zeit still, dann ergreift sie die Strickleiter und steigt
hinauf: in das Baumhaus ihres Sohnes.
Als uns in der SAT.1-Redaktion das Treatment der Autorin Nani
Mahlo angeboten wurde, waren wir sofort fasziniert. Vor uns lag
ein visueller Stoff, mit klarem Konflikt, einem deutlichen emotionalen
Mittelpunkt und einer wunderbaren Hauptfigur. Beim Redakteur verursacht
diese Art von Stoffen ein Kribbeln. Am liebsten möchte man
den Film so schnell wie möglich fertig stellen. Doch die
Buchentwicklung hat dann eineinhalb Jahre in Anspruch genommen,
bevor die Gyula Trebitsch Fernsehproduktion in und um Stuttgart
die Komödie drehen konnte.
Helen Behringer ist "Die Frau auf dem Baum". Von ihrer
Familie ignoriert, zur Familien-Maschine mutiert, aber stets verlässlich
funktionierend. Als Helens 40. Geburtstag weder von Ihrem Mann
Karl noch von den beiden Kindern wahrgenommen wird, hat sie die
Nase voll: Helen geht auf den Baum und beschließt, von nun
an dort zu wohnen. Der Blick vom Baumhaus hinab auf das Haus ihrer
Familie, auf die Häuser ihrer Siedlung, schließlich
auch auf ihr eigenes Leben, ist ein neuer Blick aus einer neuen
Perspektive. Helen ist aufgewacht. Solange sich ihr Mann Karl
und die Kinder gegen diese neue Lebenssicht wehren, bleibt sie
auf dem Baum. Helens Entscheidung wird zum Gesprächsstoff
der ganzen Siedlung. Die Nachbarsfrauen revoltieren plötzlich
gegen ihre Männer und treffen sich unter Helens Baum. Und
langsam wird klar, dass Helens Entscheidung nicht nur ihr eigenes
Leben verändern wird...
Als Regisseur konnten wir Dror Zahavi verpflichten, der den Stoff
stilsicher auf dem gefährlich schmalen Grad zwischen Komödie
und Drama steuerte. Zahavi brachte den Kameramann Martin Kukula
und den Cutter Fritz Busse mit in sein Team. Eine glückliche
Hand hatten wir auch in der Besetzung mit Saskia Vester und Florian
Martens. Neben diesen "Profis" ist in der Jugendrolle
Tanja Maier zu sehen, die über 50 Folgen lang in der ARD-Serie
"fabrixx" spielte.
Bei der Suche nach der Hauptlocation - einer Straße mit
Einfamilienhäusern mit einem gegenüberliegenden Baum
in der Wiese - und der Besetzung des Drehteams mit regionalen
Kräften haben Produktionsleiter Jürgen Schott und Szenenbildnerin
Stefanie Ernst eng mit der Film Commission Region Stuttgart zusammengearbeitet.
Von Birgit Hettich (Agentur Watch Out), wurden auch Motive in
Karlsruhe, im Allgäu und in Freiburg gescoutet, doch am Ende
fiel die Wahl auf eine Wohnsiedlung in Leinfelden-Echterdingen.
Einige Hausbewohner im Gustav-Mahler-Weg mussten vorübergehend
ins Hotel zie-hen. Den Anwohnern wurde einiges abverlangt. Etwa
drei Wochen wurde in der Siedlung gedreht. Die Umgebung Leinfeldens
war aber nicht der einzige Grund, dass SAT.1 hier drehte. Finanzielle
Mittel des Landes Baden-Württemberg haben die Entscheidung
erleichtert. Baden-Württemberg hat mit SAT.1 einen Kooperationsvertrag
abgeschlossen, mit dem "Die Frau auf dem Baum" als erster
von einer Reihe weiterer Filme eine Finanzspritze erhält.
Beide Seiten sehen die Kooperation auch als Musterbeispiel für
eine konstruktive Film-Wirtschaftsförderung, bei der auch
baden-württembergische Filmschaffende zum Zuge kommen.
(Jochen Ketschau)
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