Filmbüro

Filmfacts

Nummer 3/ 2002

Produktionsberichte

Die Frau auf dem Baum

Karl Korbes

Die Blutritter von Weingarten

Triff deinen Star

Nachts, wenn der Tag beginnt

Ein Schiff wird kommen

 

PRODUKTIONSBERICHTE

EIN SCHIFF WIRD KOMMEN

Mit einem Pferd zu drehen, das in einem Container reist und später U-Bahn fährt, gehört sicher nicht zu den einfachsten Aufgaben beim Filmemachen. Eine Drehgenehmigung für den Berliner Reichstag, vor dem ein Panzer steht? Ein Pensum von 38 Drehtagen? Drehorte in Prag, Hamburg, Wilhelmshaven und Berlin? Regisseur Pepe Planitzer verlangte einiges von sich und seinem Team. Von Mai bis Juli 2002 drehte der 32-jährige Berliner für die e-Motion Picture Baden-Baden seinen Debütfilm "Ein Schiff wird kommen".

Planitzer motivierte nicht nur sein Team, sondern lange vorher schon den Produzenten Wolfgang Katzke. "Ich habe sofort Feuer gefangen, als ich den Stoff bei einem Pitch während der "Tage des Fernsehspiels" 1998 kennengelernt habe", sagt Katzke. Der Baden-Badener Produzent wiederum konnte die Fernsehfilmredaktion des SWR sowie die MFG-Filmförderung für das Projekt gewinnen. Schon nach wenigen Monaten schien der Film produktionsreif. Keineswegs selbstverständlich, bei so einem Stoff:

Mittfünfziger Bruno war in der DDR Chirurg, heute ist er Busfahrer. Auf Drängen seiner Mutter kauft er sich bei einer Partnerschaftsagentur eine Frau und gerät irrtümlicherweise an die junge Prostituierte Anita. Die schmuggelt eigentlich kleine Kinder über die Grenze. Wenn dann neben einem vierjährigen Viet-namesenjungen noch 24 Päckchen Kokain, eine höchst gefährliche Verbrecherorganisation, ein festgefahrener Schützenpanzer und eben jenes U-Bahn fahrende Pferd ins Spiel kommen, dann klingt das schon recht bunt gemischt.

Bruno (Karl Kranzkowski), Anita (Christina Große) und das Pferd in der U-Bahn
© E-Motion Picture

Doch Regisseur und Autor Planitzer, Absolvent der Filmhochschule "Konrad Wolf" in Babelsberg, hat "intensiv gearbeitet, bevor er die Geschichte den Augen und Ohren der Öffentlichkeit präsentierte", schätzte die damalige SWR-Redakteurin Susan Schulte den Stoff ein. "Es ist ihm eine minutiös eingefädelte Verflechtung von unterschiedlichsten Figuren gelungen, für die er eine präzise filmische Vision mitbringt."

Ein überzeugender Debütregisseur und eine überzeugte Fernsehredaktion, eine Filmförderung sowie ein Produzent, die an den Stoff glauben. Alles schien perfekt. Dennoch kam es nicht zur Produktion. Eine weitere Förderung sagte zunächst zu und stieg wieder aus, ebenso ein Verleih. Die Finanzierung bekam dicke Löcher, die baden-württembergischen Fördergelder fielen statutengemäß zurück; Katzke musste wieder von Null anfangen. "Die MFG-Filmförderung hielt in der gesamten Zeit fest zu dem Projekt", erinnert sich Katzke. Schließlich hatte er - nach über drei Jahren - neben der baden-württembergischen auch die Hamburger Filmförderung und BKM-Förderung im "Schiff". Außerdem den SWR als Koprodu-zenten, der mehr Geld investierte als in der ersten Runde geplant. Das Budget von 1,5 Millionen Euro stand, das Schiff konnte vom Stapel laufen. "Für einen Kinofilm dieser Dimension, mit so vielen Motiven und Darstellern, ist der Etat extrem knapp bemessen.

Regisseur Planitzer und der Junge (DUC VU TRUNG) im Koffer
© E-Motion Picture

"Aber, entweder so oder gar nicht". Katzke beauftragte die Berliner Leviathan Film mit der Ausführung der Dreharbeiten, die Postproduktion übernimmt seine Firma in Baden-Württemberg. Ende Juli nahmen Carl Bergengruen und Sabine Holtgreve vom SWR den Rohschnitt ab, für November ist die Fertigstellung geplant.

(Constantin Schnell)

 
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