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"GEMEINSAM SIND
WIR STARK"

Dr. Klaus Bessey
Foto: Michael Holzinger
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Die medien- und filmpolitische Entwicklung
des Landes Baden-Württemberg braucht Macher in der Politik
und in den Ministerien. Einer davon ist Dr. Klaus Bessey:
Seit 1974 gehört der Film in seinen Zuständigkeitsbereich.
Der heutige Leitende Ministerialrat im Staatsministerium ist einer
der Väter der Filmakademie Baden-Württemberg. Der 64-jährige
Jurist war außerdem an der Konzeption der MFG und der Film-
und Medienfestival GmbH beteiligt. Auch an der Filmkonzeption
des Landes hat er mitgewirkt.
Sie haben in den letzten Monaten mit
rund 20 Produzenten aus Baden-Württemberg gesprochen. Wie
schätzen Sie die Lage ein?
Trotz der Krise in der Produktionslandschaft
konnten wir bislang alle Firmen hier halten. Im Wesentlichen sehe
ich jedoch drei Problemfelder: Zum einen die meist zu geringe
Eigenkapitaldecke. Zweitens die Frage, wie man in diesem Land
an Aufträge herankommt. Und drittens die noch nicht vollständig
ausgebaute Infrastruktur.
Wie kann das Land bei diesen Problemen
helfen?
In der Frage der Eigenkapitalbildung versuchen
wir über Projektförderung und Incentive Funding weiterzukommen.
Wir sprechen außerdem mit den Banken, insbesondere mit der
Kreissparkasse Ludwigsburg. Leider kann sie wegen des Regionalprinzips
nur in ihrem Landkreis tätig werden. Wir haben einen Workshop
für andere Banken angeregt, in dem die Ludwigsburger ihre
Erfahrung weitergeben sollen.
Bei der Akquisition von Aufträgen
sehen viele vor allem den SWR als zweitgrößten öffentlich-rechtlichen
Sender in der Pflicht.
Wenn wir eine freie Produzentenlandschaft
aufbauen wollen, sind wir auf Outsourcing bzw. Aufträge des
Landessenders angewiesen. Durch die Finanzsituation des Senders
und die politisch gewollte Aufrechterhaltung der Produktionstrukturen
in Baden-Baden sind den Outsourcingbemühungen allerdings
gewisse Grenzen gesetzt.
Hat der Sender ein Interesse am Aufbau
des Medienstandortes?
Es war in der Interimszeit tatsächlich
relativ schwierig, als Produzent mit dem Sender und den Redaktionen
ins Gespräch zu kommen. Ich sehe nun aber ein großes
Bemühen, eine ganz neue Methode der Kooperation mit Produktionsfirmen
einzuführen. Es besteht nun eine viel größere
Gesprächsbereitschaft in der Projektberatung zwischen jungen
Produzenten und Sender. Die MFG schafft die Plattform für
solche Gespräche.
Sie bemühen sich auch um andere
Sender: das ZDF sitzt in der MFG-Filmförderung, mit Sat.1
gibt es ein Abkommen. Dabei gab es allerdings auch Kritik. Welche?
Sat.1 beklagte, dass sie anfänglich
nicht die richtigen Angebote von hier ansässigen Produzenten
bekommen hätten. Darauf hat man mit einer Phase der Stoffentwicklung
reagiert. Sowohl überregionale Produzenten als auch baden-württembergische
Independents sind nun in der Endrunde. Es muss das Ziel unserer
Politik sein, vor allem die in unserem Land ansässigen Firmen
zu fördern, aber auch mit überregional arbeitenden Firmen
angemessen zu kooperieren. Das sieht Sat.1 übrigens ebenso.
Das dritte von Ihnen angesprochene
Problem ist die noch nicht ausreichend entwickelte Infrastruktur.
Wegen der fehlenden Infrastruktur werde hier,
so argumentiert zum Beispiel der SWR, zu teuer produziert. Man
müsse Schauspieler oder Equipment von außerhalb holen.
Wir gleichen solche Standortnachteile durch entsprechende Förderung
aus - und auch durch eine verbesserte Ausbildung von Film-schauspielern.
Die MFG wird zudem vermehrt Infrastrukturförderung betreiben.
Welche Signale gehen von der Landespolitik
an die Produzenten?
Wir haben in diesem Jahr 1 Million Euro bei
der Förderung zugelegt, das ist ein vollkommen antizyklischer
Vorgang. Wir zeigen damit Flagge, und das schafft Vertrauen. Was
die Gespräche mit den Produzenten angeht, die ich geführt
habe: Wir haben einen Katalog mit 18 sehr konkreten Punkten angelegt,
die die Produzenten zur Stärkung des Standortes vorschlagen.
Dazu gehören unter anderem auch klare Forderungen gegenüber
dem SWR. Das werden wir in nächster Zeit angehen.
Wo sehen Sie Ansätze für
die weitere Entwicklung des Medienstandortes Baden-Württemberg?
Einmal geht es nach wie vor darum, überregionale
Sender über die Förderung mit ins Boot zu holen. Dann
haben wir die Filmakademie deutlich ausgebaut mit Finanzmitteln
und neuen Studiengängen. Zudem wollen wir zukünftig
in einem Bereich, in dem wir traditionell stark sind, auch international
auftreten: bei den Visual Effects. Unter Federführung von
Prof. Haegele und der Firma Elektrofilm wollen wir zusammen mit
vielen hiesigen Firmen versuchen, große internationale Projekte
zu akquirieren. Ein Beispiel ist das Projekt "Perry Rhodan",
das im Moment schon hier entwickelt wird.
Das Interview führte
Constantin Schnell
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