Filmbüro

Filmfacts

Nummer 3/ 2002

Produzentenszene
Baden-Württemberg

Interview mit
Dr. Klaus Bessey

Paketförderung

 

PRODUZENTENSZENE
BADEN-WÜRTTEMBERG

INTERVIEW MIT DR. KLAUS BESSEY

"GEMEINSAM SIND WIR STARK"


Dr. Klaus Bessey
Foto: Michael Holzinger © MFG

Die medien- und filmpolitische Entwicklung des Landes Baden-Württemberg braucht Macher in der Politik und in den Ministerien. Einer davon ist Dr. Klaus Bessey: Seit 1974 gehört der Film in seinen Zuständigkeitsbereich. Der heutige Leitende Ministerialrat im Staatsministerium ist einer der Väter der Filmakademie Baden-Württemberg. Der 64-jährige Jurist war außerdem an der Konzeption der MFG und der Film- und Medienfestival GmbH beteiligt. Auch an der Filmkonzeption des Landes hat er mitgewirkt.

Sie haben in den letzten Monaten mit rund 20 Produzenten aus Baden-Württemberg gesprochen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Trotz der Krise in der Produktionslandschaft konnten wir bislang alle Firmen hier halten. Im Wesentlichen sehe ich jedoch drei Problemfelder: Zum einen die meist zu geringe Eigenkapitaldecke. Zweitens die Frage, wie man in diesem Land an Aufträge herankommt. Und drittens die noch nicht vollständig ausgebaute Infrastruktur.

Wie kann das Land bei diesen Problemen helfen?

In der Frage der Eigenkapitalbildung versuchen wir über Projektförderung und Incentive Funding weiterzukommen. Wir sprechen außerdem mit den Banken, insbesondere mit der Kreissparkasse Ludwigsburg. Leider kann sie wegen des Regionalprinzips nur in ihrem Landkreis tätig werden. Wir haben einen Workshop für andere Banken angeregt, in dem die Ludwigsburger ihre Erfahrung weitergeben sollen.

Bei der Akquisition von Aufträgen sehen viele vor allem den SWR als zweitgrößten öffentlich-rechtlichen Sender in der Pflicht.

Wenn wir eine freie Produzentenlandschaft aufbauen wollen, sind wir auf Outsourcing bzw. Aufträge des Landessenders angewiesen. Durch die Finanzsituation des Senders und die politisch gewollte Aufrechterhaltung der Produktionstrukturen in Baden-Baden sind den Outsourcingbemühungen allerdings gewisse Grenzen gesetzt.

Hat der Sender ein Interesse am Aufbau des Medienstandortes?

Es war in der Interimszeit tatsächlich relativ schwierig, als Produzent mit dem Sender und den Redaktionen ins Gespräch zu kommen. Ich sehe nun aber ein großes Bemühen, eine ganz neue Methode der Kooperation mit Produktionsfirmen einzuführen. Es besteht nun eine viel größere Gesprächsbereitschaft in der Projektberatung zwischen jungen Produzenten und Sender. Die MFG schafft die Plattform für solche Gespräche.

Sie bemühen sich auch um andere Sender: das ZDF sitzt in der MFG-Filmförderung, mit Sat.1 gibt es ein Abkommen. Dabei gab es allerdings auch Kritik. Welche?

Sat.1 beklagte, dass sie anfänglich nicht die richtigen Angebote von hier ansässigen Produzenten bekommen hätten. Darauf hat man mit einer Phase der Stoffentwicklung reagiert. Sowohl überregionale Produzenten als auch baden-württembergische Independents sind nun in der Endrunde. Es muss das Ziel unserer Politik sein, vor allem die in unserem Land ansässigen Firmen zu fördern, aber auch mit überregional arbeitenden Firmen angemessen zu kooperieren. Das sieht Sat.1 übrigens ebenso.

Das dritte von Ihnen angesprochene Problem ist die noch nicht ausreichend entwickelte Infrastruktur.

Wegen der fehlenden Infrastruktur werde hier, so argumentiert zum Beispiel der SWR, zu teuer produziert. Man müsse Schauspieler oder Equipment von außerhalb holen. Wir gleichen solche Standortnachteile durch entsprechende Förderung aus - und auch durch eine verbesserte Ausbildung von Film-schauspielern. Die MFG wird zudem vermehrt Infrastrukturförderung betreiben.

Welche Signale gehen von der Landespolitik an die Produzenten?

Wir haben in diesem Jahr 1 Million Euro bei der Förderung zugelegt, das ist ein vollkommen antizyklischer Vorgang. Wir zeigen damit Flagge, und das schafft Vertrauen. Was die Gespräche mit den Produzenten angeht, die ich geführt habe: Wir haben einen Katalog mit 18 sehr konkreten Punkten angelegt, die die Produzenten zur Stärkung des Standortes vorschlagen. Dazu gehören unter anderem auch klare Forderungen gegenüber dem SWR. Das werden wir in nächster Zeit angehen.

Wo sehen Sie Ansätze für die weitere Entwicklung des Medienstandortes Baden-Württemberg?

Einmal geht es nach wie vor darum, überregionale Sender über die Förderung mit ins Boot zu holen. Dann haben wir die Filmakademie deutlich ausgebaut mit Finanzmitteln und neuen Studiengängen. Zudem wollen wir zukünftig in einem Bereich, in dem wir traditionell stark sind, auch international auftreten: bei den Visual Effects. Unter Federführung von Prof. Haegele und der Firma Elektrofilm wollen wir zusammen mit vielen hiesigen Firmen versuchen, große internationale Projekte zu akquirieren. Ein Beispiel ist das Projekt "Perry Rhodan", das im Moment schon hier entwickelt wird.

Das Interview führte
Constantin Schnell

 
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