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In der ersten Fördersitzung 2001 bewilligte
die Jury der MFG-Filmförderung Baden-Württemberg erstmals
eine Paket-Projektentwicklungsförderung (Incentive Funding)
für drei baden-württembergische Produktionsfirmen. Nach
gut einem Jahr geben Ulli Pfau (filmvergnuegen), Wolfang
Katzke
(e-MOTION PICTURE) und Christian Hünemörder (gambit)
der Filmfacts-Südwest-Redaktion im Gespräch mit Constantin
Schnell Einblick in ihr Firmenprofil und stellen den Entwicklungsstand
ihrer geförderten Projekte vor:
filmvergnuegen,
Ludwigsburg und Berlin
Ulli Pfau hat sich dem Genre des Musik-
und Dokumentarfilms verschrieben. "Aus Leidenschaft",
sagt er. "Mit Dokumentarfilmen kann man nur Erträge
erwirtschaften, wenn man sich bei Konzeption, Finanzierung und
Auswertung konsequent am internationalen Markt orientiert."
Sein Handwerk hat Pfau in der SDR-Dokumentarfilmredaktion gelernt,
die "Gesellenjahre" verbrachte er bei EuroArts, wo er
unter anderem "Blue Note" produzierte. 1999 gründete
er in Ludwigsburg und Berlin filmvergnuegen. "Ein Dokumentarfilm
benötigt heutzutage ähnlich viel Entwicklungsarbeit
wie ein Spielfilm. Es müssen Rechte erworben werden, ein
Buch wird geschrieben, finanziert wird mit ausländischen
Partnern, mit Vorverkäufen und mit Fördermitteln."
Die Mittel aus dem Incentive Funding fliessen
in drei Projekte. Mit der auf 16 x 30 Minuten angelegten "Berendt-Collection"
sollen die Schätze aus dem SWR-Archiv gehoben werden, die
Joachim-Ernst Berendt in den Jahren 1955 bis 72 produzierte: Aufnahmen
von Miles Davis, John Coltrane, Thelonius Monk, Louis Armstrong
und vielen anderen Jazz-Legenden. Einen weiteren Film musste filmvergnuegen
verschieben. "Holland gegen Deutschland - Geschichten
von Fußballkämpfen" hätte nur Sinn gemacht,
wenn die Holländer an der WM teilgenommen hätten. "Nun
warten wir eben bis zur EM oder zur nächsten Weltmeisterschaft",
sagt Pfau. Das dritte Projekt wird ein Arte-Themenabend und behandelt
die Literatur der Südstaaten der USA.
Gerade abgeschlossen ist "See what happens" -
der Film über die Dokumentarfilmlegenden DA Pennebaker und
Chris Hegedus hatte auf dem Filmfest München seine Premiere.
In Vorbereitung ist die Dokumentation "Die Blutritter von
Weingarten" von Douglas Wolfsperger.
Die nächsten großen Ziele sind
gesteckt: "Wir überlegen, uns in den Spielfilmbereich
hinein zu entwickeln. So groß sind die Budgetunterschiede,
die Finanzierungs- und Vertriebswege zwischen High End-Doku und
Low Budget-Spielfilm nicht. Aber auch hier interessieren uns vorwiegend
Themen, die sich international auswerten lassen."

Das filmvergnuegen-Team: Micheline
Köllmann, Ulli Pfau, Kristin Holst, Sigrid Gairing, Renate
Turschner (v.l.n.r.)
© filmvergnuegen GmbH
eMOTION PICTURE, Baden-Baden und Ludwigsburg
"Wir sind ein bisschen aus der Not zum
Spielfilm gekommen." Was bei einem anderen wie falsche Bescheidenheit
klänge, war bei Wolfgang Katzke bittere Realität.
Katzke arbeitete über zehn Jahre lang beim SWF als Produktionsleiter,
Redakteur und Regisseur und produzierte lange die Dokumentarfilmreihe
"Schätze der Welt" - bis die Auftragslage in den
Jahren 1999 und 2000 drastisch einbrach. Seitdem sind die dokumentarischen
Auftragsarbeiten für den Sender nur ein untergeordnetes Standbein
von Katzkes Firma eMotion Picture. "Leider", wie er
sagt.
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Wolfgang Katzte mit Jörn Precht, einem
seiner Autoren
Foto: Kathleen Reinicke
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Er begann, vermehrt Stoffe für abendfüllende
Dokumentationen, später auch fiktionale Stoffe zu entwickeln.
Heute sind allein sechs Projekte in Produktion und neun weitere
in Planung. Mit den Mitteln des Incentive Funding wurden die Kinodokumentationen
"Lost Birds" und "STASI - Alltag einer
Behörde" entwickelt sowie eines von Katzkes Lieblingsprojekten,
"Taxi zum Tatort". Die Serie rund um einen korpulenten
Freiburger Taxifahrer und Hobby-Detek-tiv "wäre ideal
für eine SWR-Produktion". Katzke hofft, die Redaktion
seines Haussenders "einmal positiv darauf einstimmen zu können".
Gerade abgedreht ist die SWR-Koproduktion
"Ein Schiff wird kommen", das Debüt des
Berliner Regisseurs Pepe Planitzer. Anfang nächsten Jahres
soll der Film ins Kino kommen. Längst arbeitet eMotion Picture
auch mit anderen Sendern zusammen. Neben Koproduktionen mit dem
WDR und MDR stehen für Sat.1 zwei Stoffe in der Projektentwicklung,
die Romantic Comedies "Delikatessen und andere Schweinereien"
und "Henry & Sally". In Vorbereitung befinden
sich auch die deutsch-kanadischen Koproduktionen "Der
Hüter des Talisman" (2x90 Minuten-Kinderfilm) und
"Mina's unknown journey" (Kinofilm).
Wie stark ist eMotion Picture dabei
noch im Land verwurzelt? "Es ist bald soweit, dass wir vorwiegend
mit baden-württembergischen Autoren und Kreativen zusammenarbeiten.
Nicht von ungefähr haben wir im letzten Jahr eine Niederlassung
in Ludwigsburg gegründet. Wir erhoffen uns viel von den Talenten,
die aus der Akademie kommen."
gambit Film- und Fernsehproduktion, Ludwigsburg
"Ohne Sender geht eigentlich fast nichts",
bringt es Christian Hünemörder auf den Punkt.
Hünemörder und sein Kollege Michael Jungfleisch
produzieren nicht nur abendfüllende Spiel- und Dokumentarfilme,
sondern auch Kurz- und Eventfilme. gambit ist eine "klassische"
Ausgründung der Filmakademie Baden-Württemberg. Die
Firma wurde 1998 von den beiden Produktions-Absolventen gegründet
und landete schon im ersten Jahr einen Treffer. Kaum jemand im
Südwesten Deutschlands kennt sie nicht, die "Die
Blume der Hausfrau", den fast schon kultig zu nennenden
Dokumentarfilm über eine Gruppe von Staubsaugervertretern.
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Regisseur Dominik Wessely und Katja Walter
(MFG) ehren die "Blume der Hausfrau" und ihren 6666.
Besucher
(s. Impressum) |
Auch "Ring of Fire", ein
Zeichentrickfilm von Andreas Hykade, lief weltweit auf Festivals.
Doch das eigentliche Ziel der beiden jungen Produzenten ist der
Spielfilm. Mit "Mein Bruder der Vampir" konnten
sie 2001 auch in diese Liga einsteigen. Der SWR-Debütfilm
von Sven Taddicken wurde in Koproduktion mit TeamWorx und dem
BR gedreht.
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Christian Hünemörder
(s. Impressum)
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Michael Jungfleisch
(s.Impressum)
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Doch die Entwicklung von Filmen, ob nun
Trick-, Dokumentar- oder Spielfilme, kostet viel Geld. gambit
war eine der ersten Film-Firmen, die intensiv mit der Ludwigsburger
Kreissparkasse in Kontakt trat. Seit 1999 ist die S-Wagniskapitalbeteiligung
stiller Teilhaber bei gambit. Der nächste Schritt war das
Incentive Funding: "Dadurch konnten wir auf einen Schwung
mehrere Projekte angehen", beschreibt Christian Hünemörder
die Entwicklung. "Oh happy day" (Buch: Christoph
Fromm) ist eine Zusammenarbeit mit "Blume"-Regisseur
Dominik Wessely - diesmal ein Spielfilm, bei dem möglicherweise
der WDR einsteigt. "Max" ist ein Projekt des
Filmakademie-Absolventen Thomas Frydetzki, geschrieben von Markus
Dittrich. "Geschlecht: Weiblich" liegt dem ZDF
vor, Regie wird Dirk Kummer führen, der mit gambit bereits
seinen Kurzfilm "Wohin mit den Witwen?" realisierte.
Weitere Filme sind in der Entwicklungsphase. Der Schwerpunkt liegt
dabei nach wie vor auf dem Debütfilm.
Das nächste Projekt, das in Stuttgart
realisiert werden soll, ist "Heimkehr" von Damir
Lukacevic und Edin Hinrichs-Hadzimahovic, eine Produktion des
Kleinen Fernsehspiels (ZDF). Weit oben auf der Wunschliste steht
dann wieder eine Koproduktion mit dem SWR, ohne den in Baden-Württemberg
fast nichts geht.
PRODUZENTENFORUM BADEN-WÜRTTEMBERG
Auftaktveranstaltung: 2.09.02
Workshops ab Oktober 2002
Am 2. September wird in einer Kooperation
zwischen MFG und SWR das erste baden-württembergische Produzentenforum
stattfinden. Ziel der Veranstaltung ist der Informationsaustausch
über die anstehende Programmreform des SWR und die
damit verbundenen Programmschienen und -formate, die an freie
Produktionsunternehmen vergeben werden sollen.
Im Rahmen der Veranstaltung werden SWR-Redaktionen ihre Anforderungen
an die Produzenten formulieren. Gleichzeitig dient das Forum aber
auch zur Präsentation der Möglichkeiten und der Leistungsprofile
der in Baden-Württemberg ansässigen Produzenten, die
in diesem Rahmen auch alle Fragen und Forderungen an MFG und SWR
formulieren können.
Dr. Ruth Blaes, Geschäftsführerin
der ZFP Wiesbaden (Zentrale Fort-bildung für Programm-Mitarbeiter
der ARD und ZDF) wird die Veranstaltung moderieren. Die Einstimmung
und Key Note wird Sytze von der Laan, Geschäftsführung
Studio Hamburg, vortragen und darin bereits den gesamten Themenkomplex
von Senderstruktur über Tochterunternehmen bis zu freier
Produktion und Wettbewerb anreißen.
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