Filmbüro

Filmfacts

Nummer 4 / 2002

7 Jahre MFG Filmförderung

Die verflixte Sieben...

 

 

 

7 Jahre MFG Filmförderung

Die verflixte Sieben...

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steht das Land Baden-Württemberg zu einer starken Filmförderung: 2002 wurden die Mittel wieder erhöht. Wer hätte im Oktober 1995 zur Gründung der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg daran gedacht, dass man sieben Jahre später 13,5 Millionen Euro für die Filmförderung zur Verfügung haben würde? Die MFG kann damit ihre erfolgreiche Förderpolitik weiter ausbauen. Ihren Ursprung hat die Filmförderung in Baden-Württemberg aber bereits wesentlich früher, in den siebziger Jahren. Damals etablierte man eine noch heute vorbildliche institutionelle Förderung Kommunaler Kinos. Mit der Gründung der Film-akademie Baden-Württemberg und der MFG Medien- und Filmgesellschaft wurden in den neunziger Jahren dann die Grundsteine für die nachhaltige Filmentwicklung im Südwesten gelegt. Gründungsgesellschafter der MFG waren das Land Baden-Württemberg und die beiden Sender SDR und SWF. Seit 1999 ist auch das ZDF mit einem Zuschuss von 500.000 Euro jährlich bei der Filmförderung dabei.

Ende 1995/1996

Das Drehbuch als Ausgangspunkt aller Film- und Fernsehgeschichten liegt der MFG besonders am Herzen. Daher wurden zu Beginn der Förderarbeit Partner gefunden, mit denen die MFG bis heute erfolgreich das Drehbuchcamp betreibt: Das Goethe-Institut in Freiburg und die ZFP (Zentrale Fortbildung für ARD und ZDF), später kamen die TaunusFilm und die Hessische Filmförderung hinzu. Inzwischen haben rund 1500 Teilnehmer diese Kurse durchlaufen und die Resonanz ist ungebrochen.

Intensiv arbeitet die MFG auch an der Vernetzung der Branche. Im Herbst 1996 wurde ein Abkommen mit der Stadt Straßburg getroffen, das bis heute andauert und die Arbeit der Media-Antenne Straßburg auf die Beratung aller Filmschaffenden in Baden-Württemberg ausdehnt. In Straßburg fand die erste Koproduktionskonferenz mit Produzenten aus dem Elsass und der Schweiz statt. Inzwischen ist auch das Österreichische Filminstitut (ÖFI) Partner dieser Veranstaltung. Unter dem Titel "Europa der kurzen Wege" werden sich im Frühjahr 2003 Filmschaffende aus Baden-Württemberg, Bayern, der Schweiz und Österreich zum 6. Koproduktionstreffen in der Schweiz zusammenfinden.

Unter den ersten Auszeichnungen für MFG geförderte Filme, und damit ein Beleg für die grenzüberschreitende Arbeit der MFG, war der Fipresci-Preis in Locarno für den international produzierten Dokumentarfilm "Tabu". In der Förderung von langen ambitionierten Dokumentarfilmen sieht die MFG eine besondere "Nischenarbeit".

1997

Erstmals auf einem internationalen A-Festival konnte die MFG auf der Berlinale mit drei Produktionen Aufsehen erregen: Dem opulenten filmischen Essay "Exil Schang-hai" von Ulrike Ottinger, der radikalen isländischen Familiensaga "Devil`s Island" von Fridrik Thor Fridriksson und der Langzeitbeobachtung "Nach Saison" von Oscar-Preisträger Pepe Danquart und Mirjam Quinte aus dem zerstörten Mostar. Die Mitarbeiter der MFG waren auf dem Focus-Stand im Berlinale-Markt (danach auch in Cannes) zusammen mit den Kollegen der anderen Filmförderungen präsent.

Im Juni fand der erste Film-Jour fixe in Ludwigsburg statt. Heute ist der erste Dienstag im Monat ein unumstößlicher Termin für jeden interessierten Filmschaffenden in Baden-Württemberg.

Im November fand in der anregenden Aufbruchsstimmung am Standort Ludwigsburg das Abschlussseminar des europäischen Produzentenausbildungsprogramms EAVE statt. 42 Nachwuchsproduzenten aus 15 europäischen Ländern und rund 30 internationale Experten arbeiteten unter der Leitung von EAVE- Direktor Raymond Ravar, Studienleiter Eckhart Stein und Präsident Danny Krausz. Gabriele Röthemeyer ist seit fünf Jahren die deutsche Koordinatorin des EAVE-Programms und hat einen weiteren Jahrgang zum Frühjahrsworkshop 2003 nach Ludwigsburg einladen können.

1998

Die Vernetzung der Szene in Baden-Württemberg und die intensive Betreuung der Filmwirtschaft auf allen Ebenen von der Herstellung bis zur Kinoauswertung ist das zentrale Anliegen der Arbeit der MFG.

Im Februar wurden die "Filmfacts Südwest" aus der Taufe gehoben. Diese mehrfach im Jahr erscheinende Informationsbroschüre, die in Kooperation mit dem Filmbüro Ba-den-Württemberg entsteht, ist ein Schaufenster der Filmszene in Baden-Württemberg weit über die Landesgrenzen hinaus.

Im Juni feierte in Marbach am Neckar das Kinomobil Baden-Württemberg sein zehnjähriges Bestehen. Das rollende Wanderkino, das regelmäßig rund 70 Gemeinden auf dem Lande mit anspruchsvollem Kinoprogramm versorgt, wird von der MFG unterstützt.

Im November erschien die Studie über Kommunale Kinos in Baden-Württemberg. Einmalig in der Bundesrepublik unterstützt das Land durch die MFG die kommunale Filmarbeit. Ca. 30 kommunale Kinos finanzieren sich durch Zuschüsse im komplementären Verhältnis 2:1 von Gemeinde und Land.

1999

Auf der Berlinale wurde der erste Baden-Württembergische Drehbuchpreis in Höhe von 25.000 Euro vergeben. Er ging an Anne Wild und Stefan Dähnert für das Drehbuch "Was tun, wenn's brennt", das unter der Regie von Gregor Schnitzler von der deutschen Columbia-Tristar und dem Produzententeam Claussen und Wöbke verfilmt wurde.

Zwei Verleihförderpreise wurden zum ersten Mal von der MFG auf Festivals vergeben. Der spanische, hochdekorierte Spielfilm "Allein" ("Solas") des Regisseurs Benito Zambrano erhielt den MFG-Verleihförderpreis im Rahmen des Filmfests Ludwigsburg-Stuttgart. Der eindrucksvolle Film "Es beginnt heute" ("Ça commence aujourd'hui") von Bertrand Tavernier wurde dann im Oktober während der Französischen Filmwoche in Tübingen ausgezeichnet. Diese jährlichen Preise ermöglichen die Auswertung europäischer Filme in der Bundesrepublik und stellen damit eine außergewöhnliche Initiative für ein erfolgreiches europäisches Kino dar.

Ein österreichischer von der MFG koproduzierter Film erregte bei den Filmfestspielen in Venedig Aufsehen: "Nordrand" von Barbara Albert. Der deutsche Kurzfilmpreis ging an die Baden-Württembergerin Susanne Fränzel für ihren hier geförderten Film "Steinflug", und der Dokumentarfilm "Die Blume der Hausfrau" von Dominik Wessely über Ludwigsburger Staubsaugervertreter wird zum Kultfilm weit über Baden-Württemberg hinaus.

Um das Filmland und Drehorte hier im Bewusstsein von Produzenten in- und außerhalb Baden-Württembergs zu verankern, wurde in Zusammenarbeit mit der Film Commission Region Stuttgart die erste Location-Tour Südwest durchgeführt. Dies ist mittlerweile ein fester Bestandteil im Jahresprogramm der MFG-Förderarbeit.

2000

Auf dem Max-Ophüls-Festival konnte Franziska Buch für die Produktion "Verschwinde von hier", die in Mannheim für den SWR realisiert wurde, den Hauptpreis erringen. "Nordrand" von Barbara Albert erhielt sowohl den Förderpreis der Jury als auch den Drehbuchpreis.

Mit Augenmerk auf Nachwuchsautoren und -regisseure startet die MFG in Zusammenarbeit mit der Redaktion "Debüt im Dritten" im SWR das "Debüt im Dritten on Tour", ein Filmpaket aus sechzehn Jahren als Festivaltournee für die Kinos. Zusammen mit der Filmakademie und dem SWR initiierte die MFG Mitte des Jahres die Reihe "Junger Dokumentarfilm". Sechs Filme entstehen in dieser Reihe pro Jahr, betreut von der Filmakademie, gefördert von der MFG und ausgestrahlt im Dritten Programm des SWR.

Der MFG Star wird im Herbst in Baden-Baden aus der Taufe gehoben. Im Rahmen des traditionellen und ambitionierten Fernsehfilmfestivals Baden-Baden wird jedes Jahr ein Regienachwuchspreis der MFG an ein bestes, noch nicht veröffentlichtes Debüt von einem einzigen Juror, einem Paten des Nachwuchses, vergeben. Dies war im Jahr 2000 Detlef Buck, die Preisträgerin hieß Nicole Weegmann.

Mit der Partnerregion Rhône-Alpes und der herausragenden Trickfilmszene in Valence strebte die MFG eine enge Kooperation an. Dazu gehört die Präsentation des französischen Trickfilmschaffens auf dem Stuttgarter Trickfilmfestival. Aber auch die Präsenz baden-württembergischer Produzenten auf dem Festival und im Markt des internatio-nalen Filmfestivals von Annecy förderte die Koproduktionsaktivitäten.

2001

Die Umsetzung der mit vielen Experten diskutierten Filmkonzeption Baden-Württemberg mündete in einer Veränderung und Anpassung der Richtlinien an die verstärkt kulturwirtschaftlichen und strukturpolitischen Ziele der Filmförderung. Dazu gehören u.a. auch zwei neue Förderprogramme: Incentive Funding - eine Paketförderung zur Projektentwicklung für baden-württembergische Unternehmen und Digital Content Funding - die Förderung interaktiver filmischer Inhalte.
"The Periwig-Maker" der Geschwister Schäffler gelangte in die Endauswahl der Kurzfilme für den Oscar - und Andres Veiels viel diskutierter Dokumentarfilm "Black Box BRD" erhielt u.a. den europäischen Filmpreis als bester Dokumentarfilm (2002 dann den Deutschen Filmpreis).

2002

Der Drehbuchpreis ging an Silke Parzich und Iain Dilthey, Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, für das Drehbuch "Das Verlangen". Erstmals wurde dieser Preis durch Minister Dr. Christoph- E. Palmer in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin überreicht. Der daraus entstandene Film erhielt im August den Goldenen Leoparden von Locarno.

Im Rahmen des Trickfilmfestivals gastierte auf Initiative der MFG Filmförderung die Ausstellung "Der Str(e)ich von Folimage" im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Rund 1500 Besucher sahen die phantasievollen Exponate des weltberühmten Trickfilmstudios aus Valence, die zuvor auch in Annecy, Brüssel und zuletzt in Paris präsentiert wurden.

Die erfolgreiche Arbeit der Film Commission Region Stuttgart, die mit Sitz im Boschareal mit der MFG-Filmförderung seit Juli 2001 auch räumlich kooperiert, wird durch weitere Locationbüros in den Regionen Bodensee/ Oberschwaben, Freiburg, Rhein-Neckar-Dreieck und Karlsruhe auf eine breite Basis gestellt. Baden-Württemberg kann somit als einziges Bundesland ein dezentrales Netz von fünf regionalen Beraterbüros vorweisen. Informationen aus all diesen Standorten fließen in eine Gesamtdatenbank für Locations in Baden-Württemberg ein, die damit die wichtigste Vorbereitung für den Internetauftritt des Filmlandes Baden-Württemberg schafft.

All das, was in den letzten drei Monaten des Jahres 1995 mit Elan und Engagement von Seiten des Landes Baden-Württemberg und den beiden Landessendern SDR und SWF begonnen wurde, trägt viele Früchte, von denen nicht nur das Land und der SWR profitiert. In den vergangenen Jahren konnte der Etat der Filmförderung um insgesamt 150 Prozent gesteigert werden. Die Mitarbeiter verbürgen sich mit ungebrochenem Elan und Begeisterung für die Qualität, die Kompetenz und die Kontinuität in der Arbeit der Filmförderung. Mein Dank gilt daher all diesen Partnern in und um die MFG für die gemeinsame Geschichte und die gemeinsame Zukunft.

Gabriele Röthemeyer

 
© Filmbüro Baden-Württemberg · Gestaltung: Andreas Staiger