Filmbüro

Filmfacts

Nummer 4/ 2002

Kinoecke

Alpirsbacher Geheimtipp nicht zu bremsen

Kinoprogramm-Prämien für Kinos in Baden-Württemberg
Pächterwechsel und neues Outfit
Colibri Ade!
Kleines Jubiläum mit grossem Programm
Schwäbisches Kneipenkino

50 Jahre Löwen-Lichtspiele Kenzingen

 

KINOECKE

ALPIRSBACHER GEHEIMTIPP NICHT ZU BREMSEN

von Christoph Bielecki

Es ist nicht nur eines der ungewöhnlichsten Kinos der Republik, sondern auch eines der erfolgreichsten. Im September 2002 hat die Medien- und Fimgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) das Alpirsbacher Kino Subiaco, untergebracht in der malerischen Klosteranlage des Kinzigtal-Städtchens, für ein herausragendes Jahresfilmprogramm zum Sieger unter 47 Bewerbern gekürt. Gute Noten in dem mit 205.000 Euro dotierten Wettbewerb gingen außerdem nach Burladingen (Alblichtspiele), Tübingen (Arsenal, Studio Museum), Rottenburg (Kino im Waldhorn), Titisee-Neustadt (Krone-Theater) und Nagold (Krone-Lichtspiele).

Gegründet wurde das einzige Klosterkino der Republik vor gut sechs Jahren von Pfarrer Michael Graff. Mit Ausdauer und Begeisterungsfähigkeit scharte der 53-jährige Cineast eine Truppe ehrenamtlicher Helfer um sich, die inzwischen vom Schüler bis zum Rentner auf etwa 30 Personen angewachsen ist. Gezeigt werden bis zu fünf Filme pro Tag.
Das Programm ist weder abgehoben oder elitär, noch schielt es auf Massenware aus Hollywood. Natürlich laufen auch im Kloster Filme wie "Harry Potter". Daneben aber gibt es zahlreiche hochkarätige Perlen zu sehen, denen die meisten anderen Kinos aus kommerziellem Druck kaum eine Chance einräumen können. Ob Originalversion mit Untertiteln, spannende Dokumentationen, Sondervorstellungen, Kindergartenkino, Werkstattgespräche oder Open-Air-Aufführungen im wunderschönen Kreuzgang - das Subiaco hat fast alles im Angebot.

Seinen Reiz bezieht das Klosterkino sicherlich auch aus dem Umstand, dass die 50 Sitzplätze in diversen Sofas und Sesseln eine ausgesprochene heimelige Atmosphäre verströmen. Bei der Technik hört dieser nonchalante Charme allerdings auf: Vorgeführt werden keine qualitativ schlechteren 16-Millimeter-Kopien, sondern die echten Kino-Rollen im 35-Millimeter-Format. Auch die Dolby Digital-Tonanlage kann sich hören lassen - Investitionen, die ohne die stetig fließenden Preisgelder allerdings undenkbar gewesen wären, erklärt Subiaco-Mitarbeiter Eduard Zeiler.

Ab 2003 wird Eduard Zeiler die Schramberger Dependance des Kinos eröffnen. Die wird zwar in keinem Kloster untergebracht sein, aber auch das ehemalige Fabrikgebäude der Majolika dürfte zum stimmungsvollen Auffüh-rungsort taugen - zumal dort mit 99 Plätzen doppelt so viel Raum wie im Stammhaus zur Verfügung stehen wird.

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