Filmbüro

Filmfacts

Nummer 4/ 2002

Produktionsberichte

Lautlos aber gewaltig

Siegmaringen

Zu neuen Ufern

Fabrixx dreht wieder

Spedizione a Sicilia

 

 

 

PRODUKTIONSBERICHTE

Zu neuen Ufern

von Annette Gilcher

Für zwei junge Schauspielerinnen waren die Dreharbeiten zu "In einer Nacht wie dieser" mit all den Aufregungen verbunden, die der erste Schritt ins Filmleben mit sich bringt. Sandrina Nitschke und Jennifer Sabel wurden frisch von der Schauspielschule weg engagiert, um gemeinsam mit Katrin Bühring die Hauptrollen in dem Fernsehfilm zu übernehmen.

Markus Schlicht, Susanne Schneider, Andreas Doub, Martin Kiefer, Anik Maisch in der Trinkhalle
© (s. Impressum)

Zusammen gaben die drei ein wunderbares Trio von Schülerinnen an der Schwelle zum Erwachsenenleben, die sich schuldig machen und mit den Konsequenzen leben müssen. Keineswegs Neulinge im Filmgeschäft sind Autorin und Regisseurin Susanne Schneider und zero Südwest. Aber auch für sie war "In einer Nacht wie dieser" ein Aufbruch zu neuen Aufgaben. Als erfahrene Drehbuchautorin von Filmen wie "Feuerreiter" oder "Solo für Klarinette" und nach ersten Erfahrungen in der Theaterregie wagte sich Susanne Schneider mit diesem Film an die Inszenierung ihres Drehbuchs. In der Debütredaktion des SWR sowie bei arte und beim MDR fand die Baden-Württembergerin Partner und in zero Südwest mit Hartwig König und Martin Hagemann die Produktionsfirma für ihr Projekt. Zero südwest wiederum wagte sich mit "In einer Nacht wie dieser" zum ersten Mal an ein fiktionales Format. Seit 2001 als Tochterfirma der Berliner zero film in Baden-Baden ansässig, wurden bisher vor allem Dokumentarfilme realisiert. Die MFG-Filmförderung unterstützte das baden-württembergische Debütprojekt.
Gedreht wurde in Baden-Baden und seiner unmittelbaren Umgebung. Rund um das Hauptmotiv, ein Jagdschloss im Stadtwald, das auch zahlreiche Nebengebäude zur Nutzung bot, fand Szenenbildner Urs Beuter seine Motive. An dem Pferd, das für eine Traumsequenz vorm Kurhaus trabte, hatten auch die Kurgäste ihre Freude. Bei der Gelassenheit und guten Stimmung der Dreharbeiten konnte es dann auch nicht wirklich erschüttern, als sich einer der jungen Hauptdarsteller einen Bänderriss zuzog und ausgerechnet die Titel gebende Nacht nicht in der geplanten Zeit abgedreht werden konnte.

Andreas Doub, Susanne Schneider, Katja Theile, Anik Maisch und Sandrina Nitschke
© (s. Impressum)

Der Film erzählt die Geschichte einer Clique, die nach einem feucht-fröhlichen Abend einen Mitschüler fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt. Aus Scham, aus Angst vor den Konsequenzen und aus Stolz schaffen es die drei Freundinnen Kika, Persica und Sally nicht zur Wahrheit zurückzukehren. Was ihre Zukunft schützt, zerstört die ihres Mitschülers Jack. Es entsteht ein unaufhaltsamer Sog, der Jack schließlich zum Selbstmord treibt und die Freundschaft der drei, die ihnen doch immer als unzerstörbar erschienen war, ruiniert. Für SWR-Redakteurin Sabine Holtgreve ist Susanne Schneider als Autorin und Regisseurin ein Glücksfall "weil sie durch ihre Erfahrung als Theaterregisseurin unglaublich intensiv und nachhaltig mit den Schauspielern arbeitet. Gleichzeitig verliert sie nie ihre Geschichte aus dem Auge. Anders als gängige coming-of-age-Filme, wo es häufig in erster Linie um die Darstellung eines Lebensgefühls auf Augenhöhe der Figuren geht, will sie von etwas Grundsätzlichem erzählen: eine Geschichte von Schuld und Sühne in diesem Alter der Verletzlichkeit."
Inzwischen ist "In einer Nacht wie dieser" in der Postproduktion, in die sich die zwei Nachdrehtage im November einfügen. Gesendet wird der Film voraussichtlich im Frühjahr 2003 in arte und im darauffolgenden Spätsommer im Rahmen von Debüt im Dritten.

 
© Filmbüro Baden-Württemberg · Gestaltung: Andreas Staiger