Filmbüro

Filmfacts

Nummer 4/ 2002

Produktionsberichte

Lautlos aber gewaltig

Siegmaringen

Zu neuen Ufern

Fabrixx dreht wieder

Spedizione a Sicilia

 

 

 

PRODUKTIONSBERICHTE

Spedizione a Sicilia

Von Nicolas Grupe

Langsam fährt die Kamera die lüsternen Blicke der zahlreichen auf der Immaculata Treppe sitzenden Männer ab. Die göttliche Monica Vitti im Zentrum, völlig verloren in der Fremde einer Insel im Mittelmeer.

Über vierzig Jahre nachdem Antonioni diese Szene aus "L'Avventura" drehte, findet am selben Ort eine ausgiebige Tortenschlacht unter den Protagonisten des Dokumentarfilmes "Auf der Treppe von Noto" statt. Die Clique hat soeben eine rituelle Hochzeit am Strand von Lido di Noto zwischen zwei Freundinnen abgehalten, die nach diesem Sommer getrennte Wege gehen werden.

Regisseur Thomas Crecelius begleitet eine Gruppe von Abiturienten durch ihren letzten gemeinsamen Sommer. Manche wollen in Noto bleiben, ein barocker Traum im Südosten Siziliens, ein Ort bestehend aus den Strukturen des letzten Jahrtausends, der nach und nach in sich zusammenfällt. Die meisten jedoch wollen weg in den globalisierten Norden, wie Carmela, die zum Studium der Economia nach Mailand möchte. Der Abschied fällt ihr nicht leicht, sie sorgt sich um ihre Großmutter, möchte ihre "Nonna" nicht alleine zurücklassen. Gabrielle hat da eine einfache Lösung, am besten Noto, dieses Kaff, zu einem "campo di patate", einem Kartoffelacker machen.

Wir folgen den einzelnen Jugendlichen durch ihre Stadt. Begleitet werden sie von einem Chor der Alten, der Dagebliebenen oder der Zurückgekehrten. Enzo, der ehemalige Bürgermeister, Capitano Mimmo, der ohne sein Sinatra Tape nicht das Haus verlässt oder Nanzarelli, der alte, kommunistische Landarbeiter, der erst mit über Fünfzig lesen und schreiben lernte und ständig auf die Kirche schimpft.

Der Aufbruch der Jugendlichen ist gleichzeitig der Abschied von ihrer Jugend. Der Film zeigt einen Abschied, der uns alle betrifft: Der Abschied vom alten Europa.

Die achtwöchigen Dreharbeiten in diesem Sommer waren eine logistische Herausforderung. Zum einem wurde eine dramaturgisch entwickelte Geschichte dokumentarisch inszeniert. Die Idee, sizilianische Laien nach Drehplan zu disponieren, ging jedoch nicht so recht auf, weshalb man auf ständiges Improvisieren bei vierzig Grad im Schatten angewiesen war. Zum anderen kamen typische sizilianische Probleme hinzu: Stundenlange Gespräche mit dem Bischof, welche Passagen gotteslästerlich erscheinen, Gespräche mit einflussreichen Vätern, warum die Töchter nicht gecastet wurden etc..

Auch mit den extremen Lichtverhältnissen hatten die Kameramänner Kai Rostasy und Jürgen Jürges zu kämpfen. Andererseits erfuhren wir eine große Offenheit, Herzlichkeit und Unterstützung in der Stadt. Noto und die Provincia di Syracusa, unterstützten den italienischen Koproduzenten stefilm srl. großzügig mit Beistellungen jeglicher Art. Auch der renommierte Verleiher Key-Films war in Italien dabei. In Deutschland wurde das Projekt zusammen mit Søren Schumann (SFB) unter Beteiligung von arte entwickelt. Die EuroArts Entertainment Produktion "Auf der Treppe von Noto" wurde mit der jungen Berliner Firma Sabotage Films entwickelt und durchgeführt. Fördermittel kamen von der MFG, der Filmboard Berlin-Brandenburg sowie der FFA. Seit September schneidet die Cutterin Julia Oehring den Kinofilm bei Elektrofilm, Berlin.

 
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