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Spedizione a Sicilia
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Von Nicolas Grupe
Langsam fährt die Kamera die lüsternen
Blicke der zahlreichen auf der Immaculata Treppe sitzenden Männer
ab. Die göttliche Monica Vitti im Zentrum, völlig verloren
in der Fremde einer Insel im Mittelmeer.
Über vierzig Jahre nachdem Antonioni
diese Szene aus "L'Avventura" drehte, findet am selben
Ort eine ausgiebige Tortenschlacht unter den Protagonisten des
Dokumentarfilmes "Auf der Treppe von Noto" statt.
Die Clique hat soeben eine rituelle Hochzeit am Strand von Lido
di Noto zwischen zwei Freundinnen abgehalten, die nach diesem
Sommer getrennte Wege gehen werden.
Regisseur Thomas Crecelius begleitet
eine Gruppe von Abiturienten durch ihren letzten gemeinsamen Sommer.
Manche wollen in Noto bleiben, ein barocker Traum im Südosten
Siziliens, ein Ort bestehend aus den Strukturen des letzten Jahrtausends,
der nach und nach in sich zusammenfällt. Die meisten jedoch
wollen weg in den globalisierten Norden, wie Carmela, die zum
Studium der Economia nach Mailand möchte. Der Abschied fällt
ihr nicht leicht, sie sorgt sich um ihre Großmutter, möchte
ihre "Nonna" nicht alleine zurücklassen. Gabrielle
hat da eine einfache Lösung, am besten Noto, dieses Kaff,
zu einem "campo di patate", einem Kartoffelacker machen.
Wir folgen den einzelnen Jugendlichen durch
ihre Stadt. Begleitet werden sie von einem Chor der Alten, der
Dagebliebenen oder der Zurückgekehrten. Enzo, der ehemalige
Bürgermeister, Capitano Mimmo, der ohne sein Sinatra Tape
nicht das Haus verlässt oder Nanzarelli, der alte, kommunistische
Landarbeiter, der erst mit über Fünfzig lesen und schreiben
lernte und ständig auf die Kirche schimpft.
Der Aufbruch der Jugendlichen ist gleichzeitig
der Abschied von ihrer Jugend. Der Film zeigt einen Abschied,
der uns alle betrifft: Der Abschied vom alten Europa.
Die achtwöchigen Dreharbeiten in diesem Sommer waren eine
logistische Herausforderung. Zum einem wurde eine dramaturgisch
entwickelte Geschichte dokumentarisch inszeniert. Die Idee, sizilianische
Laien nach Drehplan zu disponieren, ging jedoch nicht so recht
auf, weshalb man auf ständiges Improvisieren bei vierzig
Grad im Schatten angewiesen war. Zum anderen kamen typische sizilianische
Probleme hinzu: Stundenlange Gespräche mit dem Bischof, welche
Passagen gotteslästerlich erscheinen, Gespräche mit
einflussreichen Vätern, warum die Töchter nicht gecastet
wurden etc..
Auch mit den extremen Lichtverhältnissen
hatten die Kameramänner Kai Rostasy und Jürgen
Jürges zu kämpfen. Andererseits erfuhren wir eine
große Offenheit, Herzlichkeit und Unterstützung in
der Stadt. Noto und die Provincia di Syracusa, unterstützten
den italienischen Koproduzenten stefilm srl. großzügig
mit Beistellungen jeglicher Art. Auch der renommierte Verleiher
Key-Films war in Italien dabei. In Deutschland wurde das
Projekt zusammen mit Søren Schumann (SFB) unter
Beteiligung von arte entwickelt. Die EuroArts Entertainment
Produktion "Auf der Treppe von Noto" wurde mit der jungen
Berliner Firma Sabotage Films entwickelt und durchgeführt.
Fördermittel kamen von der MFG, der Filmboard Berlin-Brandenburg
sowie der FFA. Seit September schneidet die Cutterin Julia
Oehring den Kinofilm bei Elektrofilm, Berlin.
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